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IV - Virologie


Hepatitis A-Virus (HAV)

Untersuchungsindikation

  • Unklare Hepatopathien
  • Pathologische Leberwerte
  • Schwere oder fulminante Verläufe i. d. R. nur bei leber­schädigenden Vorerkrankungen

Untersuchungsmaterial

Serologie

  • 5-10 ml Serum, Plasma

PCR

    • EDTA-Blut
    • Stuhl

      Methodik

      • IgG-Antikörper gegen das Hepatitis-A-Virus
      • IgM-Antikörper gegen das Hepatitis-A-Virus
      • Qualitativer Nachweis (Viruslastbestimmung) mittels Real-Time-PCR

      Bemerkungen

      Die weltweiten Durchseuchungsraten mit HAV variieren stark in Abhängigkeit von den Hygienestandards des jeweiligen Landes. Die Inzidenz für Deutschland ist mit jährlich ca. 800 registrierten Labormeldungen seit Jahren rückläufig. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts stehen die dort registrierten Fallzahlen in ca. 40% im Zusammenhang mit einer Auslandsanamnese („Reisekrankheit“).

      Die höchsten Viruskonzentrationen werden von Infizierten während der Inkubationsphase, kurz vor Einsetzen der Symptomatik, mit dem Stuhl ausgeschieden. Es besteht eine mehrwöchige Virämie.

      Bei Kindern verläuft die Infektion häufig inapparent (< 10% der unter 5-Jährigen werden symptomatisch). Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung in ca. 25% klinisch stumm. Die Anzahl fulminanter Verläufe wird mit unter 0,1% der Fälle angegeben, allerdings steigt das Risiko mit zunehmendem Alter und mit dem Ausmaß einer Lebervorschädigung (z.B. chron. Hepatitis B / C). Die Erkrankung führt zu lebenslanger Immunität.

      Die diagnostische Methode der Wahl ist der Nachweis von Antikörpern (IgM, IgG) gegen HAV. Molekularbiologische Verfahren zum direkten Virusnachweis dienen vornehmlich  epidemiologischen Fragestellungen.

      Bemerkungen zum Nachweisverfahren

      Serologie

      Chemilumineszenz-Mikropartikelimmunoassay (CMIA):

      dient zum Nachweis von Antikörpern gegen das Hepatitis-A-Virus (Anti-HAV-IgG bzw. Anti-HAV-IgM in Humanserum oder –plasma).
      Für den IgG-Nachweis liegen die Sensitivität bei >98% und die Spezifität bei 99,17%, für den IgM-Nachweis betragen die Sensitivität >95% und die Spezifität >99%.

      PCR

      Für EDTA-Blut erfolgt die Angabe des Nukleinsäurenachweises in qualitativer Form (negativ / schwach positiv / positiv). Die Nachweisgrenze ist mit ≥155 Kopien / ml EDTA-Blut angegeben.

      Bei Stuhlproben erfolgt die Angabe der gemessenen Genomkopien ebenso qualitativ. Aufgrund der unterschiedlichen Konsistenz und Partikeldichte dieser Matrix schwankt die Nachweisgrenze (ca. 50 Kopien/PCR).

      Bewertung

      Serologie

      HAV-IgM ist der zuverlässigste Marker einer akuten Erkrankung und ist i. d. R. bereits zu Krankheitsbeginn nachweisbar. HAV-IgM-Antikörper sind danach für drei bis sechs Monate nachweisbar.

      Das Vorhandensein von HAV-IgG-Antikörpern zeigt eine vorausgegangene Hepatitis-A-Virus-Exposition mit mehr oder minder ausgeprägt symptomatischer Infektion oder eine erfolgreiche Schutzimpfung an.

      PCR

      Der positive Nachweis von HAV-RNA zeigt immer eine akute Infektion an. Der direkte HAV-RNA-Nachweis kann als Bestätigung für einen positiven HAV-IgM-Antikörpernachweis oder als weiterführende Diagnostik bei diskrepanten Befunden von klinischer Symptomatik und Serologie dienen.

      Bei Kleinkindern und Kindern ist der Verlauf der Hepatitis A häufig untypisch und unter Umständen auch asymptomatisch. Die eigene Antikörperbildung kann verzögert auftreten. Gleichzeitig können maternale IgG-Antikörper ein kindliches IgG vortäuschen. Daher empfiehlt sich in solchen Fällen der direkte Erregernachweis mittels PCR. Auch nach Lebertransplantation, z. B. bei fulminanter Hepatitis A, sind Rekurrenzen möglicherweise häufiger als bisher angenommen. Auch hier können Antikörper gegen HAV verzögert oder gar nicht auftreten weswegen der molekularbiologische Erregernachweis empfohlen ist.

      Alle Befundinterpretationen können nur im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen!


      Stand: August 2013


      Virologie

      (alphabetisch geordnet)

      M - N

      Inhalt N

      O - P

      Inhalt O

      • Keine Eintragungen

      Q - R

      Inhalt Q

      • Keine Eintragungen

      S - T

      U - W

      Inhalt U

      • Keine Eintragungen

      Inhalt W

      • Keine Eintragungen

      X - Z

      Inhalt X

      • Keine Eintragungen

      Inhalt Y

      • Keine Eintragungen

      Inhalt Z

      • Keine Eintragungen

      Leistungsverzeichnis Hepatitis A-Virus

      Nachweis-
      möglichkeiten
      Untersuchungs-
      material
      Besonderheiten bei Probentransport, -lagerung*
      AK
      • Serum
      • Plasma
       
      -
      PCR
      (qualitativ)
        • EDTA-Blut
        • Stuhl
        -

        *(abweichend von allgem. Hinweisen zu Lagerung und Transport )


        Legende

        AgAntigennachweis
        AkAntikörpernachweis
        PCRPolymerase Chain Reaction, Polymerase-Kettenreaktion

        Allgemeine Hinweise zu Lagerung und Transport

        Blutproben für serologische Untersuchungen

        • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
        • Lagerung bei Raumtemperatur oder gekühlt (2-8 °C)

        Untersuchungsmaterial für molekularbiologische Untersuchungen (PCR)

        • Nativmaterial oder Proben / Abstriche im Universal-Transportmedium (UTM) einsenden
        • max. 24h Lagerung (gekühlt 2-8°C)
        • Transport bei Raumtemperatur

        Stuhlproben zum Antigennachweis

        • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
        • Lagerung gekühlt bei 2-8°C
        • Transport bei Raumtemperatur

        Hygienemerkblatt

        Hepatitis A/E

        Meldepflicht

        Verdacht, Nachweis, Erkrankung, Tod namentlich zu melden an:

        Gesundheitsamt
        Abteilung Infektionsschutz
        Paulstraße 22
        18055 Rostock
        0381 381 9552

        • Pflichtformular laut Infektionsschutzgesetz § 6 (1)
        • Formulare sind hier bzw. im SAP abrufbar
        • Meldepflichtig ist der feststellende Arzt

        Erreger

        Hepatitis A-Virus (HAV)

        Hepatitis E-Virus (HEV)

        Infektiöses Material

        • Fäzes (Stuhl)
        • weitere siehe unter Übertragungsweg

        Übertragungsweg

        HAV

        • mit Fäzes verunreinigte Lebensmittel;
        • Kontakt mit
          • Fäzes,
          • Speichel,
          • Blut

        HEV

        • Lebensmittel aus infizierten Schweinen,
        • kontaminiertes Wasser,
        • bei extrem abwehrgeschwächten Patienten auch Kontakt mit
          • Fäzes,
          • Blut

        Inkubationszeit

        15-50 Tage
        (im Durchschnitt 25-30 Tage)

        Dauer der Infektiosität

        HAV:

        • 1-2 Wochen vor Erkrankungsbeginn (Ikterus oder Transaminasenanstieg) bis 1 Woche nach Ikterus oder Transaminasenanstieg (Säuglinge auch länger).

        HEV

        • bis 29 Tage (in der Regel bis 18 Tage) nach Erkrankungsbeginn
          (bei Immunsupprimierten auch länger)

        Diagnostik (zum Erstnachweis bzw. Verlauf)

        Serum auf Antikörper und ggf. Stuhl auf PCR in die Virologie zum Erstnachweis

        In der Regel ist keine Verlaufsdiagnostik aus rein hygienischer Indikation erforderlich.

        In seltenen Einzelfällen (z. B. zur vorzeitigen Aufhebung der Isolierung) kann die Viruslast mittels PCR bestimmt werden (Virologie).

        Hygienemaßnahmen/Schutzmaßnahmen

        Isolierung/Entisolierung

        HAV

        • Bis zwei Wochen nach Auftreten der ersten klinischen Symptome bzw. eine Woche nach Beginn des Ikterus notwendig.
        • Dies beinhaltet eine eigene Toilette bzw. einen Toilettenstuhl für den betroffenen Patienten.

        HEV

        • Isolierung nur gegenüber extrem abwehrgeschwächten Patienten notwendig

        Kontaktpatienten

        HAV
        Nicht immune Patienten

        • Für Mitpatienten sollte eine Postexpositionsprophylaxe erwogen werden.

        Patienten mit unklarer Immunität

        • Immunstatus bestimmen (eilt).

        HEV

        • Kontaktpatienten sind in der Regel nicht gefährdet;
        • Ausnahme extrem abwehrgeschwächte Patienten

        Besucher

        Die jeweiligen Patientenzimmer sind mit der Isolierungstafel zu kennzeichnen.

        Alle Personen (Besucher wie Mitarbeiter) müssen sich vor dem Betreten des Zimmers im Stationsstützpunkt melden.

        Die Besucher werden vom Stationspersonal über die Infektionsrisiken informiert und in die speziellen Hygiene­maßnahmen eingewiesen.

        Grundsätzlich gelten die gleichen Hygienemaßnahmen wie für das medizinische Personal.

        Ambulanter Bereich/Aufwachraum

        HAV

        • Barrierepflege ist möglich.
        • Wenn aus organisatorischen Gründen nicht möglich, muss der Patient isoliert werden.

        HEV

        • Standardhygienemaßnahmen reichen aus

        Händedesinfektion

        Händedesinfektion gemäß Basishygieneordnung.

        Viruswirksames Desinfektionsmittel verwenden (z. B. Desderman pure 1 x 30 Sekunden).

        Einwirkzeit beachten!

        Patienten

        Nach jedem Toilettenbesuch (Anleitung der HD durch das Stationspersonal)

        Einmalhandschuhe

        • Erforderlich bei Kontakt mit
          • erregerhaltigem Material,
          • Körperflüssigkeiten oder
          • Ausscheidungen
        • Nach dem Ablegen hygienische Händedesinfektion!

        Schutzkittel

        • Erforderlich beim Umgang mit
          • kontaminiertem Material oder
          • der kontaminierten Umgebung.

        Mund-Nasen-Schutz/Schutzbrille

        Nicht erforderlich!

        Wäscheentsorgung

        • Entsorgung im fest verschlossenen Wäschesack

        Geschirr

        • Geschirrspülautomat, Betriebstemperatur > 60°C
        • Sofern vorhanden, chemisch-thermische Desinfektion mit Gewerbegeschirrspüler

        Pflege-/Behandlungs- und Untersuchungsgeräte und -Hilfsmittel (Medizinprodukte)

        Nach Gebrauch desinfizierend reinigen bzw. Aufbereitung nach Herstellerangaben bzw. verwerfen.

        Abfallentsorgung

        Normale Entsorgung (‘‘Krankenhausspezifische Abfälle‘‘ – AS 180104/180101/Abfallgruppe B);

        Fäzes und Urin in die Kanalisation

        Flächendesinfektion

        Desinfektion aller erreichbaren Flächen im Patientenzimmer mit viruzidem Desinfektionsmittel mindestens 1 x pro Tag, bei Entlassung bzw. sofortige Desinfektion nach Kontamination.

        (Dismozon plus, über Apotheke der UMR abrufbar; Anwendungskonzentration 0,8 % = 2 Beutel / 4l)

        Patiententransfer

        • Transportdienst und Zielbereich sind zu informieren.
        • Die Patienten müssen zum Verlassen des Zimmers eine hygienische Händedesinfektion durchführen (siehe Händedesinfektion).

          Besonderheiten im OP

          Es ist nicht notwendig, infektiöse Patienten am Ende des Programms zu behandeln.

          Die spezifischen Maßgaben zur viruswirksamen Flächen- und Händedesinfektion sind zu beachten.

          Besonderheiten für das Personal

          Bereichspflege ist sinnvoll.

          Wenn möglich, soll nur immunes Personal eingesetzt werden (Hepatitis A). 

          Schwangere Mitarbeiterinnen

          • Arbeiten auf Station ist möglich.
          • Kontakt mit dem erkrankten Patienten ist zu vermeiden.

          Stand: August 2020


          Hepatitis A/E