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IV - Virologie


Hepatitis B-Virus (HBV) und D-Virus (HDV)

Untersuchungsindikation

  • Unklare Hepatopathien
  • Akute oder chronische  Hepatitis
  • Hepatitis-B und -D-Koinfektion
  • Hepatitis D-Superinfektion eine HBV-Trägers

Untersuchungsmaterial

  • 5-10 ml Serum, Plasma

Methodik

  • Qualitativer Nachweis von HBe- und HBsAg (Hepatitis-B-Oberflächen-Antigene) mittels CMIA / ECLIA als Such- und Bestätigungstests
  • Qualitativer und quantitativer Nachweis von Antikörpern gegen Hepatitis-B-Virus (Anti-HBc-IgG/IgM, Anti-HBe-IgG, Anti-HBs-IgG) mittels CMIA
  • Quantitative Bestimmung der Hepatitis-B-Virus-DNA mittels real-time-PCR (Viruslastbestimmung)

Bemerkungen

Zu den hochendemischen Gebieten der Welt mit Trägerraten bis zu 10% gehören Bereiche Afrikas, Südamerikas, Ost- und Südostasiens sowie einige osteuropäische Länder. In Nord- und Westeuropa sowie den USA werden HBV-Trägerraten von < 1% angegeben.

In Deutschland besitzen durchschnittlich 5-8% der Bevölkerung Antikörper gegen das Hepatitis-B-core-Antigen (HBcAg) als Merkmal des Viruskontakts (Anti-HBc-IgG). Davon sind 0,4-0,7% chronische Virusträger (zusätzlicher Nachweis von Hepatitis-B-surface-Antigen, HBsAg). Mit steigendem Alter nimmt der Anteil der HBc-Ak-Träger zu (ca. 15% der über 60-Jährigen).

Jede akute Hepatitis B unterliegt in Deutschland der Labor­meldepflicht. Jährlich werden dem Robert-Koch-Institut ca. 750-800 akute Neuerkrankungen gemeldet.

Das Hepatitis-D-Virus wurde bisher nur bei HBV-positiven Menschen nachgewiesen, da das HDV die Hüllproteine des Hepatitis-B-Virus zur Bildung und Freisetzung infektiöser Viren benötigt. Man geht in Westeuropa von einer 5-12%igen Koinfektion bei chronischen HBV-Trägern aus. Eine Abklärung des HDV-Trägerstatus wird bei allen Patienten mit einer nachgewiesenen Hepatitis B empfohlen. Als Screeningtest gilt hier die Bestimmung des Antikörperstatus und bei positivem Ergebnis die Quantifizierung der HDV-RNA mittels PCR.

Bemerkungen zum Nachweisverfahren

Mittels Chemilumineszenz-Mikropartikel-Immunoassays (CMIA) bzw. Elektrochemilumineszenz-Immunoassay (ECLIA) werden folgende Antigene und Antikörper gegen das Hepatitis B-Virus nachgewiesen: HBc-IgG und -IgM, HBe-IgG („e“ = exkretorisch, spezielle Form des core-Proteins), HBs-IgG sowie HBsAg und HBeAg.

Die HBV-real-time-PCR ist ein in-vitro-Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAT) zur quantitativen Bestimmung der DNA des Hepatitis-B-Virus in Humanserum oder -plasma. Die Bestimmung der Viruslast dient nicht als Screeningtest, sondern zur Bestätigung / zum Ausschluss der Diagnose sowie zur Therapie-Erfolgskontrolle.

Eine HBV-Genotypisierung bei Erstnachweisen erfolgt nach Versand zum Referenzlabor, ebenso ist dort nach Anforderung eine Resistenztestung möglich.

Die Bestimmung von Antikörpern gegen Hepatitis D (Anti-HDV) sowie Hepatitis-D-RNA mittels Reverse Transkriptase-PCR erfolgen durch Versand des Untersuchungsmaterials an das Referenzlabor des RKI.

Bewertung

Serologie

Der alleinige Antikörpernachweis von Anti-HBc, Anti-HBe und Anti-HBs Assays reicht nicht für eine eindeutige Interpretation des Befundes aus. Isoliert HBc-IgG-positive Befunde sind bei ca. 7 % der untersuchten Proben in Deutschland zu erwarten und sprechen für eine klinisch ausgeheilte Hepatitis-B-Virus-Infektion, sofern auch HBs-Antikörper nachgewiesen sind. Nach ausgeheilter Infektion kann in der Regel bei Anti-HBs-Werten >10 IU/ml eine schützende Immunität angenommen werden. Allerdings kann es hier im Rahmen einer Immunsuppression zur erneuten Virusreplikation kommen.

HBc-IgM-Antikörper können bei Patienten nachgewiesen werden, die an einer akuten oder subklinischen Hepatitis-B-Infektion erkrankt sind oder kürzlich waren. Ergänzend wird die Bestimmung von HBsAg durchgeführt. Bei Erstnachweis dieses Antigens erfolgt  eine wiederholte Bestimmung mit einem anderen Testformat zur Sicherung des Befundes.

Ein isolierter Anti-HBs-Nachweis weist in der Regel eine Impfung nach. Ein sicherer Impfschutz wird bei Werten ≥ 100 IU/ml angenommen.

PCR

Die mittels quantitativer PCR gemessenen HBV-Genome werden in IU(IE)/ml Blut angegeben. Werte < 6 IU/ml sowie Ergebnisse im nicht linear quantifizierbaren Bereich zwischen 6 und 29 IU/ml Blut bedürfen einer Kontrolle. Eine lineare Quantifizierung wird bei Werten zwischen 29 und 1,1x108 IU/ml Blut erreicht.

Als Screening auf einen Kontakt mit HBV sollten folgende Parameter bestimmt werden: HBsAg, Anti-HBs sowie Anti-HBc-IgG/IgM (gesamt).

Im Rahmen einer Nadelstichverletzung gehören folgende Parameter zur Routinediagnostik der Serumproben von Indexpatienten und Verletzten:

Indexpatient:

Anti-HBc-IgG/IgM (gesamt), HBs-Ag, Anti-HBs, Anti-HCV sowie ein HIV-Suchtest

Verletzter (Betroffener):

Anti-HBs, Anti-HCV und HIV-Suchtest

Alle Befundinterpretationen können nur im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen!


Stand: August 2013


Auszug Einsenderhinweise

(alphabetisch geordnet)

M - N

Inhalt N

O - P

Inhalt O

  • Keine Eintragungen

Q - R

Inhalt Q

  • Keine Eintragungen

S - T

U - W

Inhalt U

  • Keine Eintragungen

Inhalt W

  • Keine Eintragungen

X - Z

Inhalt X

  • Keine Eintragungen

Inhalt Y

  • Keine Eintragungen

Inhalt Z

  • Keine Eintragungen

Leistungsverzeichnis Hepatitis B-Virus

Nachweis-
möglichkeiten
Untersuchungs-
material
Besonderheiten bei Probentransport, -lagerung*
Ag, AK
  • Serum
  • Plasma
 
-
PCR
(quantitativ)
    • Serum
    • EDTA-Blut
    -

    *(abweichend von allgem. Hinweisen zu Lagerung und Transport )


    Legende

    AgAntigennachweis
    AkAntikörpernachweis
    PCRPolymerase Chain Reaction, Polymerase-Kettenreaktion

    Allgemeine Hinweise zu Lagerung und Transport

    Blutproben für serologische Untersuchungen

    • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
    • Lagerung bei Raumtemperatur oder gekühlt (2-8 °C)

    Untersuchungsmaterial für molekularbiologische Untersuchungen (PCR)

    • Nativmaterial oder Proben / Abstriche im Universal-Transportmedium (UTM) einsenden
    • max. 24h Lagerung (gekühlt 2-8°C)
    • Transport bei Raumtemperatur

    Stuhlproben zum Antigennachweis

    • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
    • Lagerung gekühlt bei 2-8°C
    • Transport bei Raumtemperatur

    Hygienemerkblatt

    Hepatitis B/C/D

    Meldepflicht

    Verdacht, Nachweis, Erkrankung, Tod namentlich zu melden an:

    Gesundheitsamt
    Abteilung Infektionsschutz
    Paulstraße 22
    18055 Rostock
    0381 381 9552

    • Pflichtformular laut Infektionsschutzgesetz § 6 (1)
    • Formulare sind hier bzw. im SAP abrufbar
    • Meldepflichtig ist der feststellende Arzt

    Darüber hinaus ist der direkte oder indirekte Nachweis durch den Leiter des diagnostizierenden Labor namentlich zu melden:

    • für HBV und HDV im Fall des Hinweises auf eine akute Infektion;
    • für HCV für alle Nachweise, sofern nicht bekannt ist, dass eine chronische Infektion vorliegt (§ 7 (1) IfSG)

    Erreger

    Hepatitis B-Virus

    Hepatitis C-Virus

    Hepatitis D-Virus (nur in Verbindung mit Hepatitis B-Virus-Infektion)

    Infektiöses Material

    Körperflüssigkeiten, 

    • insbesondere Blut;
    • Sperma,
    • Vaginalsekret

    Übertragungsweg

    • Stich- und Schnittverletzungen,
    • sonstige ggf. auch kleine Verletzungen,
    • Schleimhautkontakt,
    • Aerosole bei Verletzung des Patienten im Respirationstrakt (z. B. zahnärztliche Behandlung!)

    Inkubationszeit

    HBV

    40-200 Tage
    (im Durchschnitt 60-90 Tage)

    HCV

    2-24 Wochen
    (im Durchschnitt 6-9 Wochen)

    Dauer der Infektiosität

    HBV

    Bei ca. 80 % der Betroffenen wegen spontaner Ausheilung

    • < ½ Jahr

    Bei den restlichen 20 % ohne eine spezifische Behandlung sowie bei der überwiegenden Mehrzahl von HCV-Infizierten ohne eine spezifische Behandlung:

    • langfristig
      (d. h. im Bereich von Jahren, wenn nicht lebenslang)

    Für HDV-Infizierte bestimmt die aktive HBV-Infektion die Infektiosität.

    Für HBV- und HCV-Infizierte gilt:

    Die Infektiosität sinkt unter einer spezifischen Therapie innerhalb weniger Wochen in der Regel unter die Gefahrengrenze.

    Gegen HBV geimpfte Mitarbeiter und Kontaktpatienten sind in der Regel gegen die HBV-Infektion geschützt (ggf. Impftiter rasch bestimmen lassen).

    Diagnostik (zum Erstnachweis bzw. Verlauf)

    Serum auf Antikörper und Antigene,

    Ggf. EDTA-Blut für die PCR in die Virologie

    Viruslast mittels PCR (Virologie) zur Bestimmung der Infektiosität

    Hygienemaßnahmen/Schutzmaßnahmen

    Isolierung/Entisolierung

    In der Regel nicht erforderlich

    Ausnahme: Blutender Patient, unkontrollierbar aggressiver bzw. verwirrter Patient;

    Eine eigene Toilette/Toilettenstuhl ist in der Regel nicht notwendig.

    Ausnahme: Unbehandelter, schwer lenkbarer HBV-Patient mit unkontrol­lierbaren Blutungen (z. B. bei Fissuren, Hämorrhiden, Menses).

    Kontaktpatienten

    Von Indexpatienten mit geringer HBV-Viruslast bzw. unter laufender anti-HBV-Therapie sowie von HCV-Patienten geht in der Regel keine Gefahr für Mitpatienten aus.

    Ferner sind gegen HBV geimpfte Kontaktpatienten nicht gefährdet.

    Besucher

    Standardhygiene ist ausreichend.

    Es gelten daher keine weiteren Einschränkungen für Besucher, Studierende und Mitarbeiter anderer Bereiche.

    Ambulanter Bereich/Aufwachraum

    Standardhygiene ist ausreichend.

    Händedesinfektion

    Händedesinfektion gemäß Basishygieneordnung.

    Alle im Hause verfügbaren Händedesinfektionsmittel sind geeignet.

    Einwirkzeit beachten!

    Einmalhandschuhe

    Erforderlich bei Kontakt mit erregerhaltigem Material, Körper­flüssigkeiten oder Ausscheidungen.

    Nach dem Ablegen hygienische Händedesinfektion!

    Schutzkittel

    Erforderlich, wenn mit Verspritzen von kontaminiertem Material gerechnet werden muss.

    Mund-Nasen-Schutz/Schutzbrille

    Erforderlich, wenn mit Aerosolbildung oder Verspritzen von Blut, Körperflüssigkeiten oder Ausscheidungen zu rechnen ist (z. B. Intubation, Absaugung, etc.).

    Wäscheentsorgung

    Entsorgung im fest verschlossenen Wäschesack.

    Geschirr

    Geschirrspülautomat, Betriebstemperatur > 60°C

    Sofern vorhanden, chemisch-thermische Desinfektion mit Gewerbegeschirrspüler

    Pflege-/Behandlungs- und Untersuchungsgeräte und-Hilfsmittel (Medizinprodukte)

    Nach Gebrauch desinfizierend reinigen bzw. Aufbereitung nach Herstellerangaben bzw. verwerfen.

    Abfallentsorgung

    Normale Entsorgung (‘‘Krankenhausspezifische Abfälle‘‘- AS180104/180101/Abfallgruppe B);

    Fäzes und Urin in die Kanalisation

    Flächendesinfektion

    Desinfektion nach Kontamination, bei Entlassung bzw. routinemäßig laut Basishygieneordnung
    (siehe BHO/Desinfektion).

    Desinfektionsmittel laut Desinfektionsplan

    Patiententransfer

    Beim Transport sind keine Besonderheiten zu beachten.

    Standardhygiene ist ausreichend.

    Besonderheiten im OP

    Neben der allgemeinen Standardhygiene im OP oder der Funktionsabteilung ist das Tragen von doppelten Handschuhen sowie Gesichtsschutz (Augenschutz) sinnvoll.

    Besonderheiten für das Personal

    Nicht-immunes Personal
    (mit Patientenkontakt, Labor- und Entsorgungspersonal sowie Reinigungspersonal) muss sich einer Impfung unterziehen (ArbSchG!), ansonsten ist eine Beschäftigung mit Expositionsrisiko nicht möglich.

    Simultanimmunisierung nur bei HBV-Exposition:
    ist bei nicht-immunem Personal postexpositionell umgehend zu veranlassen.

    Bei Rückfragen Information durch den Betriebsärztlichen Dienst!

    Schwangere Mitarbeiterinnen

    Kontakt mit dem Patienten ist unter strikter Einhaltung der Standardhygieneregeln erlaubt.

    Invasive Maßnahmen dürfen nicht durchgeführt werden.


    Stand: August 2020


    Hepatitis B/C/D

    Auszug BHO Sofortmaßnahmen

    Sofortmaßnahmen


    Stand: September 2017


    Sofortmaßnahmen