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IV - Virologie


Influenzavirus Typ A, B

Untersuchungsindikation

„Virusgrippe“ mit häufig schweren systemischen und/oder respiratorischen Symptomen

  • epidemisch im Winterhalbjahr
  • z. T. mit hoher Mortalität und Letalität verbunden (v. a. Influenza Typ A)
  • Komplikationen vorrangig als Pneumonien durch bakterielle Superinfektionen

Untersuchungsmaterial

  • 5-10 ml Serum, Plasma
  • Nasen-Rachenabstriche
  • Nasenaspirat
  • Nasenspülflüssigkeit
  • Trachealsekret
  • Bronchoalveoläre Lavage (BAL)

Hinweis:

Es sollten mind. drei Abstriche eingesandt werden
(Rachen­abstrich, Nasenloch rechts und links)

Methodik

  • Influenza-A-/-B-Antigen mittels Lateral-Flow-Immunoassay („Schnelltest“)
  • Qualitativer Nachweis von Influenza-A- und -B-Viren im Real-Time-PCR-Verfahren
  • Quantitativer Nachweis von Influenza-A- bzw. -B-Virus IgA- und IgG-Antikörpern mittels ELISA

Bemerkungen

Die Influenza wird durch Influenza-A- und B-Viren verursacht, in seltenen Fällen durch das Influenza-C-Virus.

Saisonale epidemische Häufungen werden vor allem durch Influenza-A- und B-Viren hervorgerufen, ursächlich für Pande­mien sind nur Influenza-A-Viren.

Epidemische Viren zirkulieren in der menschlichen Bevölkerung in der Regel 2-5 Jahre, bis sie durch eine andere, in der Antigenität deutlich veränderte Shiftvariante, abgelöst werden.

Zu schwerwiegenden Komplikationen können bakterielle Superinfektionen führen, z. B. mit

  • Streptococcus pneumoniae,
  • Staphylococcus aureus oder
  • Haemophilus influenzae,

so dass bei einer Pneumonie eine kalkulierte Antibiotikatherapie bis zum Ausschluss einer bakteriellen Ätiologie indiziert ist.

Bemerkungen zum Nachweisverfahren

Der wenige Minuten dauernde Bedside-Test(„Schnelltest“) ist in der Form eines Lateral-Flow-Immunoassays verfügbar und eignet sich zum qualitativen Nachweis von Influenza-A- und Influenza-B-Antigenen in respiratorischen Untersuchungsmaterialien. Der Test eignet sich nicht zum Nachweis von Influenza-C-Antigenen. Die Sensitivität des Testverfahrens liegt bei ca. 60 (bis i. d. R. nicht erreichten 94%), die Spezifität bei 89-97%.

Der Enzyme Linked Immunosorbent Assay (ELISA) dient als quantitativer Tests zur Bestimmung humaner Influenza-A-/-B-Virus Antikörper im Serum oder Plasma. Die in der Patientenprobe vorliegenden Antikörper binden hier an fest­phasenfixierte Antigene.
Nach Herstellerangaben betragen die Sensitivitäten des Testverfahrens 94% (Influenza A) bzw. 95% (Influenza B), die Spezifitäten sind mit 92% (Influenza A) und 93% (Influenza B) angegeben.

Bei den Nukleinsäurenachweisen mittels PCR unterliegen quantitative Angaben zur Virusmenge einer hohen Streuung aufgrund der Inhomogenität der Untersuchungsmatrices. Es erfolgt daher eine qualitative Beurteilung.

Bewertung

„Schnelltest“

Ein falsch negatives Ergebnis kann trotz Vorhandensein von Influenza-Viren zustande kommen, wenn die Antigenkonzen­tration im Untersuchungsmaterial unter der Nachweisgrenze des Tests liegt. In diesen Fällen sollte bei weiter bestehendem klinischen Verdacht der direkte Erregernachweis mittels PCR folgen.

Kinder zeigen i.d.R. eine stärkere und länger dauernde Virusausscheidung als Erwachsene. Die Untersuchung von Proben von Erwachsenen ergibt daher häufig eine niedrigere Sensitivität als die Untersuchung von pädiatrischen Proben.

Serologie

In der Frühphase der Infektion kann der Antikörpernachweis noch negativ ausfallen. Zur sicheren Diagnosestellung können in diesem Fall zwei Seren im Abstand von 2-3 Wochen beitragen. Im Rahmen einer Primärantwort sind neben IgG- und IgA-Anti­körpern auch IgM-Antikörper in bis zu 60% detektierbar.

Bei Reinfektionen sind IgM-Antikörper allerdings nur noch in bis zu 30% nachweisbar. Die maximale Antikörperaktivität wird für IgA-Antikörper innerhalb der ersten 14 Tage nach Krankheits­beginn beschrieben, IgG-Konzentrationen erreichen nach 4-6 Wochen ihr Maximum. Ein Konzentrationsanstieg sichert hier die Diagnose. IgG-Antikörper können nach abgelaufener Infektion Monate bis Jahre persistieren, IgA-Antikörper vereinzelt bis zu einem Jahr.

PCR

Die Virusvermehrung in den Epithelien des Atmungstrakts erreicht nach 2-3 Tagen ihren Höhepunkt, die Virusaus­scheidung erfolgt in aller Regel 7 Tage.

Ein positiver RNA-Nachweis ist beweisend für die Anwesenheit von Influenzaviren.

Ein negativer Nachweis schließt die Gegenwart von Influenza­viren nicht sicher aus.

Bei fraglichen Testergebnissen ist eine Neueinsendung des Materials sinnvoll.

Alle Befundinterpretationen können nur im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen!


Stand: August 2013


Auszug Einsenderhinweise

(alphabetisch geordnet)

M - N

Inhalt N

O - P

Inhalt O

  • Keine Eintragungen

Q - R

Inhalt Q

  • Keine Eintragungen

S - T

U - W

Inhalt U

  • Keine Eintragungen

Inhalt W

  • Keine Eintragungen

X - Z

Inhalt X

  • Keine Eintragungen

Inhalt Y

  • Keine Eintragungen

Inhalt Z

  • Keine Eintragungen

Leistungsverzeichnis Influenzavirus Typ A, B

Nachweis-
möglichkeiten
Untersuchungs-
material
Besonderheiten bei Probentransport, -lagerung*
Ag
(Schnelltest)
  • Nasenabstriche
  • Nasen-Rachenabstriche
  • Nasenaspirate und
  • Nasenspülflüssigkeit
  • Möglichst frische Proben, ansonsten Lagerung bis 8h gekühlt oder bei RT
  • Transport in geeigneten Medien
    (Hank's-Lösung, sterile isotonische NaCl-Lösung, M5-Medium, UTM)
AK
  • Serum
  • Plasma
 
-
PCR
(qualitativ)
    • Nasen-Rachenabstriche
    • Nasenaspirate
    • Nasenspülflüssigkeit
    • Trachealsekret
    • Bronchoalveoläre Lavage (BAL)
      • Mind. 1 ml Probenvolumen

      *(abweichend von allgem. Hinweisen zu Lagerung und Transport )


      Legende

      AgAntigennachweis
      AkAntikörpernachweis
      PCRPolymerase Chain Reaction, Polymerase-Kettenreaktion

      Allgemeine Hinweise zu Lagerung und Transport

      Blutproben für serologische Untersuchungen

      • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
      • Lagerung bei Raumtemperatur oder gekühlt (2-8 °C)

      Untersuchungsmaterial für molekularbiologische Untersuchungen (PCR)

      • Nativmaterial oder Proben / Abstriche im Universal-Transportmedium (UTM) einsenden
      • max. 24h Lagerung (gekühlt 2-8°C)
      • Transport bei Raumtemperatur

      Stuhlproben zum Antigennachweis

      • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
      • Lagerung gekühlt bei 2-8°C
      • Transport bei Raumtemperatur

      Hygienemerkblatt

      Influenza

      Meldepflicht

      Namentlich zu melden laut

      • § 6 (1) IfSG der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an einer zoonotischen Influenza
      • § 6 (5b) IfSG von  2 oder mehr gleichartigen Erkrankungen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird
      • § 7 bei direktem Nachweis von Influenza - Viren, wenn Hinweise auf eine akute Infektion bestehen
        (durch das Labor)

      an:

      Gesundheitsamt
      Abteilung Infektionsschutz
      Paulstraße 22
      18055 Rostock
      0381 381 9552

      • Pflichtformular lt. Infektionsschutzgesetz § 6 (1)
      • Formulare sind hier bzw. im SAP abrufbar.
      • Meldepflichtig ist der feststellende Arzt

      Erreger

      Influenza-Viren (Gruppe A und B)

      Bitte beachten

      In sehr seltenen Fällen können bei Reisenden aus Süd-Ost­asien inkl. China auch die Vogelgrippe oder neue andere Influenza-Subtypen in Frage kommen.

      Bei Verdacht auf diese Erreger ist sofortige Rücksprache mit der Krankenhaushygiene erforderlich.

      Infektiöses Material

      Atemwegssekrete

      Übertragungsweg

      Tröpfcheninfektion

      Gegebenenfalls aerogene Übertragung

      Kontaktinfektion möglich

      Inkubationszeit

      Saisonale Influenzaviren und Influenzavirus A(H1N1)

      1-2 Tage

      Aviäre Influenza

      2 – 5 Tage

      Dauer der Infektiosität

      Saisonale Influenzaviren und Influenzavirus A(H1N1)

      • 4-5 Tage ab Auftreten der ersten Symptome
      • Bei Kindern ist eine längere Dauer möglich!

      Diagnostik (zum Erstnachweis bzw. Verlauf)

      Molekularbiologischer Erregernachweis (PCR, Verfahren der Wahl) aus respiratorischen Materialien
      und Antigennachweis (Schnelltest, wenig sensitiv!)

      Keine Verlaufsdiagnostik aus rein hygienischer Indikation erforderlich!

      Hygienemaßnahmen/Schutzmaßnahmen

      Wichtig!!

      Patienten dazu anhalten, beim Husten/Niesen Mund und Nase mit der Ellenbeuge abzudecken bzw. in ein Einwegtuch zu husten/niesen (sogenannte Hustenetiquette).

      Anschließend Tücher entsorgen und eine sorgfältige Händehygiene durchführen.

      Isolierung

      Erforderlich!

      Kohortenisolierung bei Patienten mit gleichem Erregertyp möglich

      Raum möglichst mit Schleusenfunktion und Nasszelle!

      Eine eigene Toilette/Toilettenstuhl ist nicht notwendig. Ausnahmen sind unkooperative Patienten bzw. Infektion mit enteral übertragenen Virustypen.

      Falls raumlufttechnische Anlagen vorhanden sind, wegen der Druckverhältnissen, bitte Rücksprache mit der Krankenhaus­hygiene.

      Häufiges Lüften des Zimmers bei geschlossener Tür.

      Der Besucherverkehr wird auf das unumgängliche Mindestmaß eingeschränkt.

      Entisolierung

      In der Regel nach 5 Tagen möglich (nach Auftreten der ersten Symptome).

      Bei folgenden Patienten verlängert sich die Entisolierung auf
      7 Tage:

      • Protrahierten Verläufen (z. B. bei chronischen Vorerkrankungen)
      • Nosokomial erworbenen Influenza
      • Pädiatrischen Patienten

      Kontaktpatienten

      Kontaktpatienten werden beobachtet bzw. entsprechend aufgeklärt, um das Auftreten krankheitsspezifischer Symptome rechtzeitig zu bemerken.

      Besucher

      Der Besucherverkehr soll eingeschränkt werden.

      Die jeweiligen Patientenzimmer sind mit der Isolierungstafel zu kennzeichnen.

      Alle Personen (Besucher wie Mitarbeiter) müssen sich vor dem Betreten des Zimmers im Stationsstützpunkt melden.

      Die Besucher werden vom Stationspersonal über die Infektionsrisiken informiert und in die speziellen Hygiene­maßnahmen eingewiesen.

      Grundsätzlich gelten die gleichen Hygienemaßnahmen wie für das medizinische Personal.

      Ambulanter Bereich

      Versorgung im separaten Raum.

      Maßnahmen siehe Transport des Patienten!

      Händedesinfektion

      Händedesinfektion gemäß Basishygieneordnung

        Alle im Hause verfügbaren Händedesinfektionsmittel sind geeignet.

        Einwirkzeit beachten!

          Einmalhandschuhe/Schutzkittel

          Erforderlich bei Kontakt mit erregerhaltigem Material, Körper­flüssigkeiten oder Ausscheidungen.

          Nach dem Ablegen hygienische Händedesinfektion!

          Schutzkittel beim Betreten des Zimmers erforderlich, Entsorgung im Zimmer.

          Mund–Nasen-Schutz

          Patient

          Bei Verlassen des Zimmers Tragen eines dicht anliegenden Mund–Nasen–Schutzes (chirurgische Maske).

          Personal

          Beim Umgang mit Verdachtsfällen bzw. infizierten Patienten Tragen von chirurgischen Masken
          (der korrekte Sitz ist entscheidend!).

          Bei Tätigkeiten mit Aerosolbildung (Absaugung, Intubation etc.) Tragen von FFP II Masken
          (siehe auch Bekleidungsordnung der UMR).

          Schutzbrille

          Erforderlich beim möglichen Verspritzen von makroskopischen Tröpfchen (z. B. Intubation, Absaugen etc.)

          Wäscheentsorgung

          Entsorgung im Patientenzimmer bzw. Schleuse.

          Transport zur Wäscherei im fest verschlossenen Wäschesack.

          Die Entsorgung im Plastiksack ist nur bei Durchfeuchtung notwendig.

          Geschirr

          Geschirrspülautomat, Betriebstemperatur > 60°C.

          Sofern vorhanden, chemisch-thermische Desinfektion mit Gewerbegeschirrspüler.

          Pflege-/ Behandlungs- und Untersuchungsgeräte u.- Hilfsmittel (Medizinprodukte)

          Nach Gebrauch desinfizieren bzw. Aufbereitung nach Herstellerangaben bzw. verwerfen.

          Abfallentsorgung

          Normale Entsorgung (‘‘Krankenhausspezifische Abfälle‘‘ – AS 180104/180101/Abfallgruppe B).

          Fäzes und Urin in die Kanalisation.

          Flächendesinfektion

          Desinfektion aller erreichbaren Flächen im Patientenzimmer mindestens 1 x pro Tag, bei Entlassung bzw. sofortige Desinfektion nach Kontamination.

          Desinfektionsmittel laut Plan.

          Gebrauchskonzentration auf 0,5% erhöhen.

          Patiententransfer

          Die Zieleinrichtung ist über Infektion zu informieren.

          Patient

          Sofern es das Krankheitsbild erlaubt, trägt Patient Mund-Nasen-Schutz
          (OP-Maske, besser FFP2-Maske, wenn vom Allgemeinzustand her vertretbar).

          Personal
          (Transportpersonal und Personal der Funktionsabteilung)

          Trägt Schutzkittel, Einmalhandschuhe, Mund-Nasen-Schutz (chirurgischeMaske).

          Kontakt zu anderen Patienten und Besuchern vermeiden.

          Nach Beendigung der Tätigkeit Flächendesinfektion aller Kontaktflächen.

          Entsorgung der Schutzkleidung.

          Hygienische Händedesinfektion.

          Besonderheiten im OP

          Behandlung möglichst am Ende des OP-Programms.

          Die allgemeine Basishygiene im OP oder der Funktions­abteilung ist ausreichend.

          Zur Benutzung der richtigen Desinfektionsmittel und -verfahren siehe Händedesinfektion und Flächendesinfektion.

          Besonderheiten für das Personal

          Impfung wird vom Betriebsärztlichen Dienst kostenfrei angeboten.

          Schwangere Mitarbeiterinnen

          Arbeiten auf Station ist möglich.

          Kontakt mit dem erkrankten Patienten muss vermieden werden.


          Stand: März 2020


          Influenza