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IV - Virologie


Masernvirus

Untersuchungsindikation

  • exanthematische Verlaufsform, bei ca. jedem fünften Patienten Komplikationen
    (Pneumonie, Enzephalitis)
  • sehr seltene Spätkomplikation: subakute sklerosierende Masern-Panenzephalitis (Masern-SSPE)

Untersuchungsmaterial

  • 5-10 ml Serum, Plasma
  • Liquor

Methodik

  • Quantitativer Nachweis von IgG- und -IgM-Antikörpern mittels ELISA

Bemerkungen

Masern sind weltweit verbreitet.
Als hoch ansteckende Erkrankung (Kontagionsindex  98%) kommt es bei über 95% der Betroffenen zur symptomatischen Primärinfektion.

Bei Vorliegen von Antikörpern (maternal oder durch Passivimmunisierung) resultiert i.d.R. ein asymptomatischer oder symptomarmer Verlauf bei trotzdem bestehender Infektiosität.

Infolge der Meldepflicht (seit 2001) werden dem RKI jährlich mit großer Schwankungsbreite i.d.R. unter 1000 Erkrankungsfälle für Deutschland gemeldet.
75% dieser übermittelten Fälle treten im Rahmen regional und zeitlich begrenzter Ausbrüche auf, insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten. In den Industrieländern liegt bei ungeimpften Menschen der Infektionsgipfel bei 5-9 Jahren, mit etwa 15 Jahren ist eine ca. 95%ige Durchseuchung erreicht.

Nach Einführung der Schutzimpfung 1963 sind zunehmend ältere Altersgruppen (>10 Jahre) von der Infektion betroffen. Die Zahl der Masernausbrüche konnte stark reduziert werden. Nach natürlicher Masern­erkrankung besteht in der Regel lebenslange Immunität. Reinfektionen nach Immunisierung (auch nach empfohlener Zweifachimpfung) sind prinzipiell möglich.

Die sehr seltene Spätkomplikation subakute sklerosierende Masern-Panenzephalitis (Masern-SSPE) tritt in ca. 50% der Fälle bei Kindern auf, die eine Maserninfektion vor dem zweiten Lebensjahr durchgemacht haben. Die SSPE entwickelt sich durchschnittlich nach 6-8 Jahren, in 85% der Fälle vor dem 14. Lebensjahr.

Diagnostisch steht neben dem klinischen Bild an erster Stelle der Antikörpernachweis.

Die Möglichkeit des direkten Virus­nachweises mittels PCR besteht am Nationalen Referenzzentrum des Robert Koch-Instituts und ist z.B. im Rahmen von Re­infektionen (ggf. ohne IgM-Antwort) oder unklarem klinischem Bild sinnvoll.

Bemerkungen zum Nachweisverfahren

Mittels ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay) können als quantitative Tests IgG und IgM als humane Antikörper gegen Masernviren in oben genannten Untersuchungsmaterialien nachgewiesen werden.

Leistungsmerkmale sind laut Hersteller:

IgG (Sensitivität >99   %, Spezifität   93,3%),
IgM (Sensitivität   95,4%, Spezifität >99   %)

Bewertung

Ein positiver IgM-Antikörpernachweis spricht für eine akute Maserninfektion. IgM-Antikörper können etwa ab dem 2. Exanthemtag nachgewiesen werden und bleiben für mindestens 4 - 6 Wochen positiv.

Sofern keine akute Maserninfektion vorliegt, zeigt der Nachweis spezifischer IgG-Antikörper eine zurückliegende Infektion bzw. eine erfolgreiche Schutzimpfung an, die Immunitätsschwelle wird mit 200 U/ml angegeben. Eine Unterscheidung einer durch Impfung oder durch Infektion erworbenen Immunität ist nicht möglich, jedoch ist die Antikörperkonzentration nach Impfung i. d. R. wesentlich niedriger.

Im Falle eines grenzwertigen Ergebnisses sollte der Test parallel mit einer im Abstand von 1 - 2 Wochen entnommenen, neuen Probe (Serumpaar) wiederholt werden.

cave:
Masern-IgG im Liquor:

Eine Beurteilung ist nur bei Bestimmung des spezifischen Antikörper-Index nach Reiber möglich (Einsendung eines Serum / Liquor-Paares).

Wir erbitten bei Anforderung der entsprechenden Untersuchung die telefonische Information an das Labor.

Alle Befundinterpretationen können nur im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen!


Stand: Juni 2014


Auszug Einsenderhinweise

(alphabetisch geordnet)

M - N

Inhalt N

O - P

Inhalt O

  • Keine Eintragungen

Q - R

Inhalt Q

  • Keine Eintragungen

S - T

U - W

Inhalt U

  • Keine Eintragungen

Inhalt W

  • Keine Eintragungen

X - Z

Inhalt X

  • Keine Eintragungen

Inhalt Y

  • Keine Eintragungen

Inhalt Z

  • Keine Eintragungen

Leistungsverzeichnis Masernvirus

Nachweis-
möglichkeiten
Untersuchungs-
material
Besonderheiten bei Probentransport, -lagerung*
AK
  • Serum
  • Plasma
  • Liquor
 
-

*(abweichend von allgem. Hinweisen zu Lagerung und Transport )


Legende

AgAntigennachweis
AkAntikörpernachweis
PCRPolymerase Chain Reaction, Polymerase-Kettenreaktion

Allgemeine Hinweise zu Lagerung und Transport

Blutproben für serologische Untersuchungen

  • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
  • Lagerung bei Raumtemperatur oder gekühlt (2-8 °C)

Untersuchungsmaterial für molekularbiologische Untersuchungen (PCR)

  • Nativmaterial oder Proben / Abstriche im Universal-Transportmedium (UTM) einsenden
  • max. 24h Lagerung (gekühlt 2-8°C)
  • Transport bei Raumtemperatur

Stuhlproben zum Antigennachweis

  • Zeit zwischen Probeentnahme und Laboreingang < 72h
  • Lagerung gekühlt bei 2-8°C
  • Transport bei Raumtemperatur

Hygienemerkblatt

Masern

Meldepflicht

Verdacht, Erkrankung, Tod bzw. bei 2 oder mehr nosokomialen Infektionen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird, namentlich zu melden an:

Gesundheitsamt
Abteilung Infektionsschutz
Paulstraße 22
18055 Rostock
0381 / 381 9552

  • Pflichtformular laut Infektionsschutzgesetz § 6 (1)
  • Formulare sind über hier bzw. im SAP abrufbar
  • Meldepflichtig ist der feststellende Arzt.
  • Bei direktem oder indirektem Nachweis vom Masernvirus, wenn Hinweise auf eine akute Infektion bestehen (Namentlich zu melden durch das Labor § 7(1) IfSG)

Benachrichtigung der Hygienefachkraft
0381 494 5014

Erreger

Masernvirus (hoch infektiös)

Führt bereits bei kurzer Exposition zu einer Infektion. Kontagionsindex nahe 100 %.

Löst bei über 95 % der ungeschützten Infizierten klinische Erscheinungen aus.

Infektiöses Material

Respiratorische Materialien

Übertragungsweg

Einatmen infektiöser Exspirationströpfchen (Sprechen) bzw. Tröpfchenkerne (Husten, Niesen)

Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Nase oder Rachen bzw. mit entsprechend kontaminierten Flächen

Inkubationszeit

8–10 Tage bis zum Beginn des katarrhalischen Stadiums,

14 Tage bis zum Ausbruch des Exanthems

Im Einzelfall bis zu 21 Tage bis zum Exanthembeginn möglich.

Dauer der Infektiosität

5 Tage vor Auftreten des Exanthems bis 4 Tage nach Auftreten des Exanthems

Diagnostik (zum Erstnachweis bzw. Verlauf)

Nachweis der virusspezifischen IgM-Antikörper

Virusnachweis per PCR

Serum auf Antikörper, ggf. Liquor für die PCR in die Virologie

Keine Verlaufsdiagnostik aus rein hygienischer Indikation erforderlich

Hygienemaßnahmen/Schutzmaßnahmen

Die unten beschriebenen Maßnahmen sind erforderlich bis 4 Tage nach Exanthembeginn.

Isolierung

Bereits bei Verdacht!

Eine eigene Toilette/Toilettenstuhl oder Wickeln im Bett ist notwendig.

Falls raumlufttechnische Anlagen vorhanden sind, ist für deren Weiterbetrieb eine Rücksprache mit der Krankenhaushygiene erforderlich.

Eine Kohortenisolierung ist möglich.

Die Patienten müssen zum Verlassen des Zimmers eine hygienische Händedesinfektion durchführen
(siehe Händedesinfektion).

Außerhalb des Zimmers hat der Patient einen Mund-Nasen-Schutz anzulegen, wenn dies aus medizinischen Gründen möglich ist.

Entisolierung

5 Tage nach Auftreten des Exanthems

Kontaktpatienten

Nicht immune Patienten

  • Eine Postexpositionsprophylaxe soll erwogen werden.

Patienten mit unklarer Immunität

  • Immunstatus bestimmen (eilt).

Immune Patienten

  • Es besteht keine Gefährdung für Mitpatienten.

Besucher

Die jeweiligen Patientenzimmer sind mit der Isolierungstafel zu kennzeichnen.

Alle Personen (Besucher wie Mitarbeiter) müssen sich vor dem Betreten des Zimmers im Stationsstützpunkt melden.

Die Besucher werden vom Stationspersonal über die Infektionsrisiken und speziellen Hygienemaßnahmen informiert, z. B. Körperkontakt ist zu meiden.

Nicht immune Besucher

  • Tragen einen Mund-Nasen-Schutz
  • Nach Verlassen des Zimmers HHD

Immune Besucher

  • Nach Verlassen des Zimmers HHD

Ambulanter Bereich/Aufwachraum

Es ist nur aus organisatorischen Gründen (nicht aus hygienischen) sinnvoll die Patienten am Ende des Programms zu behandeln, da der Patient dann im Raum verbleiben kann und keine Problematik wegen Isolierung im Aufwachraum oder in der Wartezone entsteht.

Händedesinfektion

Händedesinfektion gemäß Basishygieneordnung.

Alle im Hause verfügbaren Händedesinfektionsmittel sind geeignet.

Einwirkzeit beachten.

Einmalhandschuhe

Erforderlich beim Umgang mit infektiösem Material und bei Arbeiten, bei denen mit Verschmutzung zu rechnen ist.

Schutzkittel

Erforderlich beim Betreten des Zimmers

Entsorgung im Zimmer

Mund–Nasen-Schutz/Schutzbrille

Bei immunem Personal

  • Mund-Nasen-Schutz und Augenschutz sind nicht erforderlich.

Bei nicht-immunem Personal

  • Mund-Nasen-Schutz erforderlich.
  • Augenschutz kann ggf. sinnvoll sein.

Wäscheentsorgung

Normale Entsorgung

Geschirr

Geschirrspülautomat, Betriebstemperatur > 60°C.

Sofern vorhanden, chemisch-thermische Desinfektion mit Gewerbegeschirrspüler

Pflege-/Behandlungs- und Untersuchungsgeräte und -Hilfsmittel (Medizinprodukte)

Nach Gebrauch desinfizieren bzw. nach Herstellerangaben aufbereiten bzw. verwerfen.

Abfallentsorgung

Normale Entsorgung (‘‘Krankenhausspezifische Abfälle‘‘ – AS 180104/180101/Abfallgruppe B)

Fäzes und Urin in die Kanalisation

Flächendesinfektion

Desinfektion nach Kontamination, bei Entlassung bzw. routine­mäßig laut Basishygieneordnung (siehe BHO/Desinfektion).

Desinfektionsmittel laut Desinfektionsplan

Patiententransfer

Transportdienst und Zielbereich sind zu informieren.

Medizinprodukte sind desinfizierend zu reinigen.

Das Bett muss für den Transport nicht desinfiziert werden.

Nicht immunes Personal

  • Sollte nicht den Transport durchführen.
  • Wenn dies unumgänglich ist, gelten die Festlegungen, die unter "Persönlicher Schutzausrüstung" dargestellt sind.

Immunes Personal

  • Beim Transport sind keine Besonderheiten zu beachten.
  • Standardhygiene ist ausreichend

Besonderheiten im OP

Es ist nicht notwendig, infektiöse Patienten am Ende des Programms zu behandeln.

Standardhygiene ist ausreichend!

Besonderheiten für das Personal

Infizierte Mitarbeiter sind freizustellen.

Wiederaufnahme der Arbeit frühestens 5 Tage nach Exanthembeginn möglich.

Schwangere sollten nach Möglichkeit Besuche unterlassen. Wenn Besuche notwendig sind (z. B. eigenes Kind ist erkrankt), muss auf das Risiko für den Fetus hingewiesen werden.


Stand: August 2020


Masern