Hygienemerkblätter (HMB) der UMR

Schwere Atemwegsinfektionen auslösende Coronaviren

(MERS, SARS, SARS-CoV-2/COVID-19)

Meldepflicht

Verdacht, Erkrankung, Tod namentlich zu melden an:

Gesundheitsamt
Abteilung Infektionsschutz
Paulstr. 22
18055 Rostock
0381 381 9552
ga.infektionsschutz{bei}rostock.de

Pflichtformular lt. Infektionsschutzgesetzt § 6 (1)

Formulare sind hier bzw. im SAP abrufbar

Meldepflichtig ist der feststellende Arzt.

Bei direktem oder indirektem Nachweis von den o. g. speziellen Coronaviren, wenn Hinweise auf eine akute Infektion bestehen (Namentlich zu melden durch das Labor § 7(1) IfSG)

Benachrichtigung der Hygienefachkraft
0381 494 5014

Erreger

  • MERS, SARS, SARS-CoV-2/COVID-19

SARS-CoV-2 Varianten unterscheiden sich durch ihre Replikationseffizienz in den oberen Atemwegen, sowie durch die Infektionsdosen und damit durch ihre Ansteckungsfähigkeit.

Die im Folgenden aufgeführten hygienischen Präventions­maßnahmen gelten unterschiedslos für alle Varianten und sind bei konsequenter Durchführung gleich wirksam.

Andere Coronaviren bewirken einfache Atemwegsinfektionen, die in der Regel keine besonderen hygienischen Maßnahmen bedürfen.

Infektiöses Material

  • Atemwegsmaterialien
  • kontaminierte Oberflächen

Übertragungsweg

  • Aerogen über Tröpfchen und Aerosole
  • über Handkontakte

Inkubationszeit

3 – 14 Tage

Dauer der Infektiosität

Bei immunkompetenten Personen mit asymptomatischen Verlauf zwei Tage vor sowie bis 14 Tage nach Beginn der Symptome.

Bei immunkompetenten Personen und geringfügig symptom­atischem Verlauf (keine Sauerstoffbedürftigkeit) endet die Infektiosität i. d. R. frühestens 14 Tage nach Symptombeginn sowie 48 Stunden nach Einsetzen einer nachhaltigen Besserung bzw. einer Symptomfreiheit.

PCR-Untersuchungen zum Beleg der nicht mehr bestehenden Infektiosität sind für beide Personengruppen NICHT erforderlich, ein Antigentest ist ausreichend.

Bei schwer an COVID-19 Erkrankten (Sauerstoffbedürftigkeit) und stark immunologisch beeinträchtigten Patienten dauert die Infektiosität 14 Tage bis mehrere Monate nach Beginn der Symptome.

Für den Beleg des Endes der Infektiosität sind für diese Personen, neben der nachhaltigen Besserung über mindestens 48 Stunden, zwei PCR-Untersuchungen aus im Abstand von 24 Stunden gewonnenen Proben und mit Ct-Werten von ≥ 33 beizubringen.

Diagnostik (zum Erstnachweis bzw. Verlauf)

Spezifische RT-PCR aus folgenden Atemwegsmaterialien:

Obere Atemwege

  • Nasopharynx-Abstrich oder -Spülung
  • Oropharynx-Abstrich

Tiefe Atemwege

  • Bronchoalveoläre Lavage
  • Sputum
    (nach Anweisung produziert bzw. induziert; Arbeitsschutz beachten)
  • Trachealsekret

Beachte:
Die PCR ist für einen Positivnachweis konzipiert, die Bestätigung der Abwesenheit infektionstüchtiger Coronaviren ist damit nur unter Vorbehalt möglich.

Antigennachweis („Schnelltest“)

Der Antigennachweis ist der PCR in jedem Qualitätsparameter unterlegen.

Einziger Vorteil ist seine schnelle, geräteunabhängige Durchführbarkeit auch außerhalb des Labors.

Die Verwendung der Antigentests ist ausschließlich für zwei Situationen vorgesehen:

  • die zeitkritische Abklärung zur Notwendigkeit hygienischer Vorkehrungen bzw.
  • einer akut zu beginnenden Kortikoid-Therapie,

in beiden Fällen für stationär zu versorgende Patienten, im ersten Fall auch für Mitarbeiter*innen.

Negative Testergebnisse ohne anschließende Bestätigungstests sind akzeptabel, positive Testergebnisse müssen zwingend mittels PCR betätigt werden. Wenn bei geimpften Personen die Infektiosität beurteilt werden soll, ist ein Antigentest ausreichend. Lediglich für die Bestimmung des Ct-Wertes muss mit einer PCR getestet werden.

Für besondere, vom Vorstand in aktuellen Mitteilungen an die Mitarbeiter*innen definierten Situationen kann dazu eine besonders schnell durchführbare PCR angefordert werden.

Für die Bestellung, Durchführung, Ergebnisprotokollierung und das spezifische Qualitätsmanagement der Antigen-Schnelltests sind von den Durchführenden zwingend besondere Regeln zu beachten.

Jeder durchgeführte Test muss entsprechend der gesetzlichen Vorgaben dokumentiert und ggf. nach Infektionsschutzgesetz gemeldet werden.

Es wurde deshalb im SAP die Dokumentation der Diagnostik für den Corona-Antigen-Schnelltest eingerichtet
(im SAP Patient auswählen, Dokument anlegen, "Neutraler Befund" (ZBFD_NEUT2) auswählen, bei Befundtyp "Covid-19-Diagnostik" auswählen und Angaben ergänzen).

Antikörpernachweise auf ELISA-Basis

Antikörpernachweise auf ELISA-Basis sind für die Akutdiagnostik nicht geeignet, können aber für infektionsepidemiologische Fragestellungen genutzt werden.

Der gesicherte Beleg einer schützenden Immunität nach durchgemachter Infektion ist derzeit so nicht möglich.

Hygienemaßnahmen/Schutzmaßnahmen

Erstkontakt in der Aufnahme/Empfang

Patienten mit geringen bis mittelgradigen Atemwegs­symptomen sollen dem Krankenhaus bzw. den MVZ-Praxen fern bleiben und zu Hause, mit möglichst wenig Kontakten zu anderen Personen, auf ihre Genesung warten!

Sofern aufgrund der Atemwegssymptomatik (Husten, Halsschmerzen, Fieber, Dyspnoe) eine ärztliche Untersuchung/Behandlung unumgänglich erscheint, erhält der/die Patient*in einen Mund-Nasen-Schutz und wird bei Vorliegen eines begründeten Verdachts (siehe unten) umgehend abgesondert.

Verdachtsabklärung durch Arzt/Ärztin/Testkriterien

  1. Schwere respiratorische Symptome
    • z. B. akute Bronchitis, Pneumonie, Atemnot oder Fieber
  2. Störung des Geruchs- und Geschmacksinns
  3. Symptome und enger Kontakt mit bestätigtem COVID-19-Fall (Kontaktperson)
  4. Verschlechterung des klinischen Bildes nach anhaltenden akuten respiratorischen Symptomen
  5. Akute respiratorische Symptome jeder Schwere, insbesondere bei:
    • Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe
    • Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis, Krankenhaus
    • Möglicher Exposition, beispielsweise Veranstaltungen mit unzureichender Einhaltung der AHA+L-Regeln
    • Kontakt zu Personen mit akuter respiratorischer Erkrankung (im Haushalt oder Cluster ungeklärter
      Ursache UND 7-Tages-Inzidenz > 35/100.000)
    • erfolgtem Kontakt zu vielen Personen
    • weiterhin (prospektiv) engem Kontakt zu vielen Personen oder Risikopatienten

MERS- und SARS-Verdachtsfälle

Für MERS- und SARS-Verdachtsfälle gelten diese Vorgaben sinngemäß.

Isolierung

Bei begründetem Verdacht umgehende Isolierung (möglichst mit Vorraum/Schleuse), zumindest Zuweisung eines separaten Raumes (z. B. in der Aufnahmestation bzw. bei der ambulanten Behandlung).

Verlegung, Entisolierung, Aufhebung der Quarantäne

UMR-interne Verlegungen von infektiösen Patienten aus medizinischen Gründen sind, unter Fortführung der Isolierungsmaßnahmen, immer möglich!

Verlegung von Patienten in andere Einrichtungen bzw. Entlassung in die Häuslichkeit erfolgen i. d. R. nur nach Ende der Infektiosität (Kriterien dafür siehe unter Dauer der Infektiosität).
Unter diesen Umständen können die Isolierungsmaßnahmen aufgehoben werden.

Bei der Verlegung in die Häuslichkeit sind ggf. besondere Regelungen des zuständigen Gesundheitsamtes zu beachten, daher ist dieses im Vorfeld zu kontaktieren.

Für die Entisolierung von unter Quarantäne gestellten COVID-19 Infizierten, asymptomatischen bis wenig symptomatischen Mitarbeitern gelten dieselben Regeln wie für entsprechende Patienten.

Kontaktpatienten

Isolierung in einem Einzelzimmer umgehend nach Bekannt­werden der Diagnose des Indexpatienten.

Entisolierung ab 14. Tag der Isolierung möglich („entferntere“ Kontaktpersonen nach 7 Tagen), sofern Symptomfreiheit besteht und zwei COVID-19-Abstriche, die so früh wie möglich nach Bekanntwerden der Exposition und am 6. Tag abgenommen werden, in der Isolierung negativ bleiben.

Besucher

Der Besucherverkehr muss eingeschränkt, gegebenenfalls auch unterbunden werden.

Es gilt die 3G-Regel, das heißt, nur wer geimpft, getestet oder genesen ist darf auf die Station.

Die jeweiligen Patientenzimmer sind mit der Isolierungstafel zu kennzeichnen.

Alle Personen (Besucher wie Mitarbeiter) müssen sich vor dem Betreten des Zimmers im Stationsstützpunkt melden.

Die Besucher werden vom Stationspersonal über die Infektionsrisiken informiert sowie in die speziellen Hygiene­maßnahmen eingewiesen und wie folgt beraten:

  • Besucher müssen mindestens 1,5 Meter Abstand halten
  • Besucher tragen einen Schutzkittel und einen dicht anliegenden Mund-Nasen-Schutz
  • Bei Verlassen des Zimmers müssen Besucher eine hygienische Händedesinfektion durchführen

Ambulanter Bereich/Aufwachraum

Patienten sind zu isolieren und können nicht gemeinsam mit anderen Patienten im Aufwachraum/Wartebereich versorgt werden.

Händedesinfektion

Händedesinfektion gemäß Basishygieneordnung

Alle im Hause verfügbaren Händedesinfektionsmittel sind geeignet.

Einwirkzeit beachten!

Einmalhandschuhe

Erforderlich bei Kontakt mit erregerhaltigem Material, Körper­flüssigkeiten oder Ausscheidungen.

Nach dem Ablegen hygienische Händedesinfektion!

Schutzkittel

Einfacher Schutzkittel erforderlich beim Betreten des Zimmers

Entsorgung im Zimmer

Mund-Nasen-Schutz

Personal

Bei begründetem Verdacht bzw. nachgewiesener Erkrankung ist mindestens eine FFP2-Maske erforderlich.

Während der differentialdiagnostischen Abklärung eines vagen Verdachtsfalls ist ein Mund-Nasen-Schutz ausreichend.

Der Mund-Nasen-Schutz kann ebenfalls hinreichen, wenn die Atemwege des Patienten therapeutisch abgeschirmt sind (z. B. Beatmung, geschlossene Absaugung)

Patient

Trägt während der differentialdiagnostischen Abklärung in der Aufnahmestation/ambulanten Versorgung chirurgischen Mund-Nasen-Schutz.

Wenn es für den  Patienten tolerierbar ist, trägt er bei jeglichem Kontakt zu anderen Personen einen chirurgischen Mund-Nasen-Schutz.

Schutzbrille

Eine einfache Schutzbrille reicht i. d. R., insbesondere wenn der Patient einen Mund-Nasen-Schutz trägt bzw. die Atemwege des Patienten therapeutisch abgeschirmt sind (siehe unter Mund-Nasen-Schutz).

Zur Intubation, Extubation und zur Tracheotomie ist zusätzlich das Tragen eines Shields (Visier) empfehlenswert.

Wäscheentsorgung

Entsorgung im Patientenzimmer

Transport zur Wäscherei im fest verschlossenen Plastiksack (für infektiöse Wäsche)

Geschirr

Aufbereitung der Gläser/Tassen durch das Catering-Unter­nehmen (Entsorgung über Speisetransportwagen)

Pflege-/Behandlungs- und Untersuchungsgeräte und -Hilfsmittel (Medizinprodukte)

Nach Gebrauch desinfizierend reinigen bzw. Aufbereitung nach Herstellerangaben bzw. verwerfen.

Vorratshaltung von Wäsche, Medikamenten und Sterilgut im Zimmer auf ein Minimum reduzieren.

Abfallentsorgung

Normale Entsorgung (‘‘Krankenhausspezifische Abfälle‘‘ – AS 180104/180101/Abfallgruppe B);

Fäzes und Urin in die Kanalisation

Flächendesinfektion

Desinfektion aller erreichbaren Flächen im Patientenzimmer mindestens 1 x pro Tag, bei Entlassung bzw. sofortige Desinfektion nach Kontamination

Desinfektionsmittel laut Desinfektionsmittelplan

Patiententransfer

Beschränkung auf medizinisch unvermeidbare Transporte

Transport muss als Einzeltransport erfolgen und entsprechend angemeldet werden

Das ausgefüllte Formular „Übergabebogen zu COVID-19 des LAGuS M-V“ ist bei Verlegung (auch innerhalb der UMR) und Entlassung zwingend mitzugeben.

Patient

Patient mit chirurgischem Mund-Nasen-Schutz

Personal

Schutzkittel, Handschuhe, mindestens FFP2-Maske, Schutzbrille

Transportdienst und Zielbereich sind zu informieren.

Das Bett ist für den Transport frisch zu beziehen oder abzu­decken.

Besonderheiten im OP

Beschränkung auf unvermeidbare Operationen

Es ist nicht notwendig, infektiöse Patienten am Ende des Programms zu behandeln.

Besonderheiten für das Personal

Schwangere Mitarbeiterinnen

Arbeiten auf Station ist möglich.

Keine Kontakte mit dem erkrankten Patienten (wobei COVID-19 keinen bekannten Einfluss auf die Schwangerschaft hat).

Wiederaufnahme der Arbeit von nachweislich Erkrankten (Mitarbeiter*innen)

Siehe unter „Dauer der Infektiosität“ und „Entisolierung“

Vollständig geimpfte Kontaktpersonen (Tag 15 nach der zweiten Impfung) und Personen, die in der Vergangenheit eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben („Genesene“) und mit mindestens einer Impfstoffdosis geimpft sind, brauchen sich den Quarantänemaßnahmen nicht zu unterwerfen.

Screening- bzw. Kontrollabstriche

Für die Untersuchung mittels RT-PCR aus Atemwegsmaterialien

Abstrich mit

  • sterilem beflockten Tupfer sowie Röhrchen mit rotem Deckel (UTM)

oder alternativ

  • sterilem beflockten Tupfer sowie Röhrchen mit malvefarbenem Deckel und Transportmedium (eSWAB)

Es gelten die oben genannten Einschränkungen (siehe Diagnostik) zur Aussagekraft des Testergebnisses, insbesondere bei symptomfreien/-armen Testpersonen.

Bei allen stationär aufzunehmenden Patienten wird ein risikoadaptiertes Aufnahme­screening durchgeführt.
Dies gilt auch für die tagesklinischen Patienten, die am ersten Tag und dann im Wochenrhythmus zu testen sind.
Das bedeutet, dass alle ungeimpften Patienten (= kein vollständiger Covid-19-Impf­status) und/oder Patienten mit Covid-19-spezifischen Symptomen einem Aufnahmescreening unterzogen werden.

PCR-Aufnahme-Tests sind erforderlich bei folgenden Indikationen

  • Patienten mit Atemwegssymptomen
  • Patienten mit Kontakt zu Covid-19-Positiven in den letzten 14 Tagen
  • Bekannt positive Patienten
  • Patienten mit Auslandsaufenthalt in den letzten 14 Tagen
  • Ungeimpfte Patienten (= kein vollständiger Covid-19-Impfstatus)
  • Patienten mit Covid-19-spezifischen Symptomen

Kontaktpatienten

  • ein Rachen- bzw. Nasopharyngealabstrich

Betriebsangehörige - Enge Kontaktpersonen

(d. h. ein mindestens 10-minütiger direkter körperlicher ungeschützter Kontakt bzw. ein Gespräch ohne Masken mit weniger als 1,5 Meter Distanz)

Mitarbeiter ohne Symptome

  • Kontakt wird Risiko-kategorisiert (von den Betriebsärzten der UMR)
  • Die Mitarbeiter dürfen unter bestimmten Auflagen weiterarbeiten.
    Dazu zählen:
    • durchgängiges Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und
    • Rachen- bzw. Nasopharyngealabstrich,
      der erste Abstrich so früh wie möglich nach Bekanntwerden der Exposition und am sechsten Tag nach Kontakt

Abstriche NUR durchführen, wenn der/die Mitarbeiter*in weiterhin im Dienst ist, d. h. wenn der/die Mitarbeiter*in sich im Urlaub befindet bzw. frei hat, ist kein Abstrich durchzuführen!

Wenn Kolleg*innen engen Kontakt zu Covid-19-positiven Menschen hatten (beispielsweise im familiären Umfeld), erfolgen Abstriche unmittelbar sowie an Tag 5 oder 6.

Für die ordnungsgemäße, eindeutig personenbezogene Bearbeitung der Proben und die Abrechnung gegenüber den Kassen ist die Krankenkassen-Chipkarte einzulesen.

Der Arbeitsbereich ist anzugeben, um mit den jeweils zuständigen Vorgesetzten weitere Personaluntersuchungen und gegebenenfalls Arbeitsschutzmaßnahmen abzuklären.

Bei Auftreten von Symptomen müssen sich Mitarbeiter sofort in der Häuslichkeit isolieren. Die weitere Behandlung erfolgt dann in Absprache mit dem Hausarzt.


Stand: 26.08.2021

Schwere Atemwegsinfektionen auslösende Coronaviren (MERS, SARS, SARS-CoV-2/COVID-19)