Spezielle Hygieneordnungen der UMR

2.1 Allgemeines

In Abhängigkeit vom Kontaminationsgrad der betroffenen Körperregion werden die invasiven Eingriffe unterteilt in:

  • Aseptischer Eingriff (nicht infiziertes OP-Gebiet)  
Gr.1
  • Bedingt aseptischer Eingriff
Gr.2
  • Kontaminierter Eingriff (frische, offene Fraktur)   
Gr.3
  • Septischer Eingriff (OP-Gebiet oder Inzisionsstelle infiziert)  
Gr.4
sowie
  •  Eingriffe bei Patienten, welche mit besonders antibiotikaresistenten Erregern (z. B. MRSA) besiedelt sind (BG-Vorgabe)

Einzelne OP-Einheiten bzw. Operationsabteilungen für bestimmte operative Disziplinen bzw. Operationen bestimmten Kontaminationsgrades vorzuhalten, kann unter hygienischen, ausstattungstechnischen oder organisatorischen Aspekten zweckmäßig sein.

Bei entsprechender Indikation ist die septische OP-Einheit (ZOP-Saal 11) zu nutzen.

Für alle Patienten mit definierten Infektionen bzw. Erregern sind prinzipiell die Hygiene-Merkblätter des Klinikums zu beachten.

Werden Patienten mit Verdacht bzw. Nachweis bestimmter viraler Erreger versorgt (z. B. Laserablation von Papilomavirus bedingten Effloreszenzen), ist auf Verwendung eines viruzid wirksamen Händedesinfektionsmittels zu achten.

Auch das verwendete Flächendesinfektionsmittel muss diese Anforderung erfüllen (siehe Punkt 4.5 Flächendesinfektion).

Diese Festlegung gilt auch für Eingriffs- und Aufwachräume.

2.2 Präoperative Maßnahmen

2.2.1  Präoperative Maßnahmen auf Station

  • Die Patienten sollen so zeitnah wie möglich vor der Operation baden oder duschen.
  • Vor kolorektalen Operationen ist eine mechanische Darmentleerung in Verbindung mit der leitliniengerechten Gabe oraler Antibiotika durchzuführen.
  • Eine präoperative Haarentfernung soll nur bei operationstechnischer Not­wendigkeit, bevorzugt mittels Kürzen (Clipping) der Haare bzw. chemischer Enthaarung vor dem Duschen/Baden erfolgen.
    Fällt die Entscheidung für eine mechanische Haarentfernung mittels Rasur, muss diese unmittelbar vor der Operation erfolgen.
  • Der Patient erhält ein sauberes Nachthemd und einen Haarschutz.
  • Entfernung von Nagellack und Make-Up (behindert Erkennung von Vitalzeichen!)
  • Schmuck, einschließlich Piercing, ist zu entfernen
  • Patient wird in einem Bett mit frischer Bettwäsche in den OP-Bereich gebracht.
    Nach der OP wird er in dieses Bett bzw. bei Verlegung in den ITS-Bereich in ein komplett aufbereitetes Bett gelegt.

2.2.2  Ambulante Patienten

Bei Eingriffen an ambulanten Patienten nutzen diese die vorhandenen Umkleide­räume im OP-Bereich.

In Abhängigkeit vom Umfang des Eingriffes ist es nicht erforderlich, jeden ambulanten Patienten vollständig zu entkleiden.

Solche Patienten sind ggf. keimarm (nicht steril, z. B. mit einem Schutzkittel bzw. Abdecktuch) zu bedecken.

2.2.3  Umbettung der Patienten

Die Umbettung des Patienten erfolgt in der Patientenschleuse mit wechselseitig öffnenden Türen.

Der Schleusenraum ist durch deutlich sichtbare Markierungen und ggf. physikalische Sperren in einen reinen und unreinen Bereich unterteilt.

Die Umbettung erfolgt über eine mechanische Umbettvorrichtung oder mit einem Rollboard auf einen fahrbaren OP-Tisch oder eine Lafette.

Kann der Patient wegen seines Körpergewichts oder vorübergehender technischer Defekte nicht mittels der mechanischen Umbetthilfe umgebettet werden, wird der Patient im sauberen Bett bis in den OP-Saal gefahren und dort umgelagert. Die weitere OP-Vorbereitung (z. B. Bestücken der Instrumentiertische) findet erst nach Entfernen des Bettes aus dem OP-Saal statt.

2.2.4  Präoperative Maßnahmen im OP

Legen von zentralen Gefäßkathetern, Harnwegskathetern

  • Einhaltung aseptischer Grundregeln
    • siehe BHO/themenbezogen

Regional- bzw. Lokalanästhesie ohne Katheteranlage

  • Einhaltung aseptischer Grundregeln
    • siehe BHO/themenbezogen

Intubation/Extubation

  • Einhaltung aseptischer Grundregeln
    • siehe BHO/themenbezogen

Haut- und Schleimhautdesinfektion

Allgemein

Die Angaben der Desinfektionsmittelhersteller sind zu beachten!

Im Operationsraum erfolgt eine gründliche Antiseptik der Haut des Operations­gebietes mit einem Alkohol-basierten Hautantiseptikum.

Durch Zusatz eines remanent wirkenden Antiseptikums wird eine über die Wirkung des Alkohols hinaus anhaltende Wirkung erreicht, verbunden mit einer höheren präventiven Wirkung.

Durchführung der Haut- und Schleimhautdesinfektion

Der Operateur trägt nach der chirurgischen Händedesinfektion, vor Anlegen des sterilen Kittels,das Haut-/Schleimhautdesinfektionsmittel (siehe Desinfektionsplan) mit sterilen Tupfern, die in einer Kornzange eingespannt sind, auf das zu operierende Gebiet auf. 

Beginn im Bereich des beabsichtigten Hautschnittgebietes.

Das Desinfektionsmittel wird zirkulär von innen nach außen verrieben.
Diese und alle anderen Maßnahmen zielen darauf ab, dass keinesfalls Mikroorganismen von der Peripherie in das eigentliche Operationsgebiet verschleppt werden.

Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt.

Während der gesamten Einwirkzeit muss die desinfizierte Fläche satt benetzt und feucht gehalten werden.

Das beabsichtigte Hautschnittgebiet wird nicht mit trockenen Tupfern nachgewischt. Ein Nachwischen im Klebebereich der Tücher ist möglich.

Flüssigkeitsansammlungen unter dem Patienten vermeiden — Gefahr der Bildung von Nekrosen bzw. Hautschädigungen.

Abdeckmaterial

Das Abdeckmaterial soll auch im feuchten Zustand eine effektive Barriere gegen Flüssigkeitsdurchdringung darstellen.

Inzisionsfolien bieten keine hygienischen Vorteile. Wenn aus operationstechnischen Gründen eine Inzisionsfolie verwendet werden soll, muss diese antimikrobielle Eigenschaften aufweisen.

Die Patientenabdeckung wird grundsätzlich mit steriler Kleidung und sterilen Handschuhen durchgeführt.

Vorgehensweise

Abdeckungsmaterialien werden an der Oberseite des Tuches angefasst und mit ausgestreckten Armen aufgelegt, um eine Kontamination der sterilen Kleidung, z. B. durch Berührung des Patienten, zu verhindern.

2.3 Perioperative Maßnahmen

2.3.1  Hypothermie

Der Zustand der Normothermie soll aufrechterhalten werden, sofern nicht aus therapeutischen Gründen eine Hypothermie erforderlich ist.

2.3.2  Drainagen

Wunddrainagen sollen nicht routinemäßig, sondern nur bei klarer Indikation und so kurzzeitig wie möglich eingesetzt werden.

Offene Drainagen sollen aus infektionspräventiven Gründen vermieden werden.

Drainagen sollen nicht über die OP-Wunde, sondern über eine separate Inzision gelegt werden.

2.3.3  Systemische antibiotische Prophylaxe

Die Indikation zu einer systemischen antibiotischen Prophylaxe wird eingriffs­spezifisch gestellt.

Ist die Indikation gegeben, muss zu Beginn der chirurgischen Tätigkeit im anatomischen OP-Areal ein dort wirksamer Antibiotikaspiegel vorliegen.

  • Mehrfachdosierungen während der Operation ausschließlich bei sehr lange dauernden Eingriffen.

Eine verlängerte Antibiotikagabe nach OP-Ende bietet keinen infektionspräventiven Vorteil.

2.4 Postoperative Maßnahmen

2.4.1  Antiseptik und Wundauflage

  • Erneute Antiseptik des Wundrands vor Wundverschluss
  • OP-Wunde ist am Ende der Operation mit einer sterilen Wundauflage abzudecken.

2.4.2  Umbettung der Patienten

  • Die Umbettung erfolgt über eine mechanische Umbettvorrichtung oder mit einem Rollboard in ein sauberes Bett.
  • Transport in den Aufwachraum bzw. auf eine ITS
  • Das Aufwachen der Patienten aus dem septischen OP findet im IMC-Bereich statt (BG-Vorgabe).
  • Patienten mit (Verdacht auf) offener Lungen-Tbc sind nicht im zentralen Aufwachbereich zu überwachen und zu betreuen, sondern direkt auf der Station.
  • Die Betreuung der Patienten mit MRE (inklusive MRSA) im Aufwachraum ist aus krankenhaushygienischer Sicht (unter Einhaltung der Vorgaben der Hygiene­merkblätter MRGN/MRSA) möglich.