Basishygieneordnung der UMR

Externe Ventrikeldrainage

(= Abl. des Liquors aus den Hirnventrikeln über einen Katheter nach außen)

Anlage einer Ventrikeldrainage

Vorbereitung eines Patienten zur Anlage einer Ventrikeldrainage

Die Anlage einer Ventrikeldrainage erfolgt unter sterilen Bedingungen im OP.

Haare im Operationsfeld unmittelbar vor der Operation großzügig clippen (bevorzugt mit elektrischer Haarschneidemaschine).

Verbandwechsel

Vor jeder Manipulation am Drainagesystem bzw. am Katheter sind eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen und Handschuhe anzulegen.

Vorgehen

  • Medizinische Einmalhandschuhe anlegen
  • Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes
  • alten Verband entfernen, zusammen mit den Handschuhen entsorgen
  • Hygienische Händedesinfektion!
  • 2 Möglichkeiten für weiteres Vorgehen
    • Handkontakt nicht erforderlich
      • Medizinische Einmalhandschuhe + steriles Instrumentarium, wenn Handkontakt mit der Eintrittsstelle der Ventrikeldrainage nicht erforderlich ist
    • Handkontakt erforderlich
      • Sterile Handschuhe + steriles Instrumentarium, wenn Handkontakt mit der Wunde erforderlich ist
  • gegebenenfalls Wundabstrich vornehmen (nach ärztlicher Anordnung)
  • Beurteilung der Drainagestelle
  • Desinfektion/Reinigung mit sterilen Kompressen/Tupfern
  • weitere Maßnahmen nach ärztlicher Anordnung
  • neuen Verband fixieren
  • Handschuhe entsorgen
  • Hygienische Händedesinfektion!

Bei Auftreten klinischer Zeichen einer Infektion, bei Durchfeuchtung, Verschmutzung oder Lageverschiebung des Verbands sowie jeder anderen Komplikation muss der Verband sofort gewechselt werden.

Die Entfernung des Verbands, des Nahtmaterials sowie der Drainage bzw. jeder Verbandwechsel erfolgt unter Anwendung aseptischer Arbeitstechniken.

Die Entfernung der Drainagen erfolgt nur durch Ärzte der Neurochirurgie.

Während der Maßnahmen sind Aktivitäten wie z. B. Betten, Reinigungsarbeiten etc. zu unterlassen. Die Fenster und Türen sind geschlossen.

Versehentliche Diskonnektion der Ventrikeldrainage

Unverzügliche Information an einen Neurochirurgen, da Mikroorganismen in das Drainagesystem eindringen und z. B. eine Meningitis verursachen könnten.

Die Entscheidung, ob daraufhin die Ventrikeldrainage gezogen werden muss, wird durch einen Neurochirurgen getroffen und hängt von folgenden Kriterien ab:

  • Liegedauer der Drainage
  • Ort der Diskonnektion (eventuell reicht ein Systemwechsel)
  • Zeitdauer der Diskonnektion des Systems
  • derzeitige Notwendigkeit einer Ventrikeldrainage für den Patienten
  • Wenn der Patient weiterhin die Ventrikeldrainage benötigt, müssen die Risiken einer Neuanlage im OP gegenüber eines möglichen Infektionsrisikos abgewogen werden.

Liegedauer

Die Eintrittsstelle muss täglich kontrolliert werden, da durch die Ventrikeldrainage das Infektionsrisiko relativ hoch ist (ca. 1 % pro Liegetag, ca. 6-7 % insgesamt –Literaturangaben hierfür sind stark definitionsabhängig).

Bei Entzündungszeichen muss das Risiko der Neuanlage gegenüber dem Belassen der Drainage unter antibiotischer Behandlung abgewogen werden.
Entschließt man sich zur Entfernung, ist die Drainage sofort zu entfernen und die Katheterspitze in die Mikrobiologie einzuschicken.

Ab dem 3. Tag ist täglich, unter sterilen Kautelen, Liquor aus dem System zu entnehmen und zur Untersuchung auf Zellzahl und Eiweiß einzusenden.

Bei klinischem Verdacht einer Infektion bzw. entsprechendem Befund von Zellzahl/Eiweiß/Laktat wird Liquor zur bakteriologischen Untersuchung eingeschickt. Der Versandt erfolgt am günstigsten durch Überimpfung des Liquors in eine aerobe und eine anaerobe Blutkulturflasche.

Routinemäßige bakteriologische Kontrollen bei fehlendem Infektionsverdacht sind nicht angezeigt.

Laut mündlicher Mitteilung des Herstellers ist unter technischen Gesichtspunkten ein Wechsel des Ventrikeldrainage-Ablaufsets (hier Hanni-Set®) erst nach 28 Tagen erforderlich.

Sofern die oben genannten hygienischen Regeln strikt eingehalten werden, gilt dieser Wechselrhythmus auch unter hygienischen Gesichtspunkten.

Lagerung eines Patienten mit einer externen Ventrikeldrainage

Bei der Lagerung eines Patienten mit einer Ventrikeldrainage ist immer darauf zu achten, dass die Tropfkammer in der richtigen Höhe platziert wird.

Abhängig von:

  • Indikation
  • Höhe bzw. tägliche Drainagemengen
  • ärztlicher Anordnung

bzw. nach der Lagerung die Höhe des Transducers bei Ventrikeldrainagen zur ICP-Messung korrigiert wird (äußerer Gehörgang).

Ein versehentliches Ziehen ist unbedingt zu vermeiden.

Der ungehinderte Abfluss des Liquors ist durch Freiliegen des Schlauchsystems zu gewährleisten.

Der sterile Belüftungsfilter des Drainagesystems darf nicht durch den Rücklauf von Liquor (z. B. beim Umlagern) befeuchtet werden.
Dies hätte zur Folge, dass kein Druckausgleich und damit kein Liquorablauf mehr erfolgen kann.
Der entsprechende Rücklaufhahn ist deshalb unbedingt vor dem Umlagern abzuklemmen!

Pflegerische Maßnahmen beim Entfernen der Ventrikeldrainage

  • Hygienische Händedesinfektion
  • Medizinische Einmalhandschuhe anlegen
  • Desinfektion/Reinigung mit sterilen Kompressen/Tupfern
  • Entfernung der Annaht (Fixation des Ventrikelkatheters)
  • Vorsichtiges Ziehen des Katheters (Nur durch Ärzte der Neurochirurgie!)
  • Sekundärnaht unter sterilen Kautelen
  • Anlegen eines sterilen Verbands

Stand: September 2021

Externe Ventrikeldrainage


Inhaltsverzeichnis

Basishygieneordnung (BHO)